Death Metal, meine große Passion und ein Fass ohne Boden...
Man glaubt einen guten Überblick über das vielleicht vielfältigste Subgenre der Welt zu haben und jedes Mal wird man eines Besseren belehrt und findet stets Neues oder längst Vergessenes. Dieser kleine Blog handelt von derartigen Entdeckungen und versucht euch das näher zu bringen, das oft auf meinem Plattenteller landet und oft auch fernab der üblichen Standards ist.
Label: Pavement Music (Re-Release durch Repulsive Echo Records) 1. Existence Lies Beneath 2. Despair 3. Psychopathology 4. Incisions 5. Liquid Remains 6. Geneticide 7. Between Two Eternities 8. Forgotten
Upps, satte vier Monate habe ich den Blog vernachlässigt :( Doch der
stressige Frühling ist vorüber und ich gelobe Besserung. Dafür gibt es
dann heute auch ein ganz exklusives Review zu einer Band mit einem
leicht dämlichen Namen.
DEMENTED TED waren eine dieser Bands, die sich Zeit ließen. Bereits im
Jahre 1986 als Thrash Metal-Band gegründet, dauerte es ganze sieben
Jahre, bis das erste und auch leider einzige Album namens „Promises
Impure“ auf die Menschheit losgelassen wurde. In diesen sieben Jahren
entwickelte man sich aber stetig weiter und erst mit dem legendären
vierten Demo „Despair“ aus dem Jahre 1992 (produziert von Scott Burns!)
fand man zum garstigen Straight-Forward Death Metal, den „Promises
Impure“ prägen sollte. Man hätte allerdings bei Scott Burns bleiben
sollen, denn die Produktion ist neben dem Cover (was zur Hölle ist das
eigentlich?) leider der größte Kritikpunkt des Albums, denn Mark Pinske
hat es genauso wie kurz danach bei der „Stillborn“ von Malevolent
Creation leider ziemlich verschissen. Die Produktion klingt dünn und
ohne Biss und das Schlagzeug übersteuert gar hier und da! Das tut der
großartigen Musik hingegen keinen Abbruch, denn man merkt dass DEMENTED
TED vorbereitet ins Studio gegangen sind und es drauf haben! Apropos
Malevolent Creation: Das Teil klingt von vorne bis hinten wie eine
Mischung aus „The Ten Commandments“ und „Stillborn“ zu der man noch eine
gehörige Menge „Spiritual Healing“ beigemischt hat! Sprich: Es gibt
herrlichen Ami-Death Metal mit Biss, Thrash und technischer Finesse! Im
Gegensatz zu Silent Death (ihr erinnert euch? Die Band bei der Brett
Hoffman eine EP eingesungen hat) hat die Musik aber eine gänzlich eigene
Seele und klingt nicht wie ein komplettes MC-Rip-off. Fette Grooves
wechseln sich mit brutalem Geballer und stellenweise wirklich tollen
Melodien und Soli ab. Drummer Mike begeistert mit seinem treibenden
Groove und Bassist Mark brummt gar Alex Webster-mäßig rum, während
Sänger/Gitarrist Ron auf Brett Hoffmans Pfaden wandelt und sich mit
Rhythmus-Gitarristen Ken wie einst James Murphy und Chuck Schuldiner ein
paar feine Duelle liefert. Letzteres klingt besonders in „Between Two
Eternities“ durch, der sich extrem Death-beeinflusst gibt und von seinen
tollen Melodien und Soli lebt. Damit gewinnt man natürlich keinen
Innovationspreis, aber wer auf coolen Florida-Death Metal steht, muss
das Teil einfach haben und man kann hier von einer echt vergessenen
Perle sprechen!
Aber bitte spart euch die Kohle und gebt keine 50€ für die längst
vergriffene Pavement-Original-Version aus, sondern holt euch das schicke
Digipak-Re-Release, das dieses Jahr via Repulsive Echo erschienen ist!
Hier bekommt ihr das Original-Master mit dezent aufgepeppten Cover.
Leider ohne große Line-Notes und Demo-Bonus-Tracks, aber hier hoffe ich
einfach mal auf eine hoffentlich bald erscheinende Demo-Compilation
(Kostas, go for it! ^^).
TYRANT TROOPER waren irgendwie immer etwas zu spät. 1987 gründete man
sich als Thrash Metal-Band, als die Thrash-Welle im Abklingen war, so
dass kaum jemand Notiz von dem Quintett nahm. Zu Beginn der 90
orientierte man sich um und huldigte dem brutalen Death Metal. Als
schließlich 1995 endlich dieses feine Debüt-Album herauskam, war auch
der Death Metal im Begriff zu sterben und wieder schauten die Amis in
die Röhre. Dabei haben wir es hier mit einem wirklich verkannten
Klassiker zu tun, was spätestens nach dem Dissection-mäßigen
Akustik-Intro, welches vom „Fire walk with me“-Gedicht aus Twin Peaks
untermalt wird, klar sein sollte. Die fünf Jungs aus Connecticut holzen
auf ihrem einzigen Album nämlich derart unbarmherzig drauflos, dass kein
Stein auf dem anderen bleibt und man förmlich an die Wand geblasen
wird. Arschtightes Riffing, gepaart mit kraftvollem, rhythmischen
Drumming (hier scheinen die Thrash-Wurzeln am ehesten durch!) und den
kraftvollen Growls sind ein Garant für einen brutalen Höllenritt.
Eingebettet in eine rohe Produktion ist hier wirklich jeder Schuss ein
Treffer und die 49 Minuten vergehen wie im Fluge, zumal sich das
Songwriting angenehm abwechslungsreich gestaltet. Dies spiegelt sich
nicht nur in vielseitigen und brutalen Vocals (mit wirklich sicken
Lyrics!), sondern auch interessanten Tempi-Wechseln und großartigen
Heavy Metal-Soli wieder. Der Legende nach hatten die Jungs übrigens in
den 90ern regelmäßig mit Auftrittsverboten zu kämpfen, da die Fans immer
derart ausflippten, dass blutige Nasen keine Seltenheit waren! Bei dem
Riff-Massaker kein Wunder! Freunde von Gutted, Baphomet, Morta Skuld
oder aber auch Brutality sollten hier auf jeden Fall voll auf ihre
Kosten kommen. Das stimmige Cover aus der Feder von Frank Forté
(bekannter US-Comic-Zeichner) fängt die Power des Albums gut ein und
rundet das Ganze perfekt ab. Ein absolutes Muss für jeden US-Death
Metal-Fan!
Leider ist diese Eigenproduktion, welche auf 1000 CDs limitiert war,
extrem rar und erzielt gerne Preise jenseits der 200€. Ein Re-Release
schließen die Jungs aber nicht kategorisch aus und deswegen bin ich mir
sicher, dass sich hier Geduld bewähren dürfte. Die Jungs reformierten
sich übrigens 2014 für einen Farewell-Gig für den verstorbenen
Gitarristen Ron Kuczuk und vielleicht hat man ja tatsächlich wieder Blut
geleckt, was wirklich wünschenswert wäre.
Label: Loud Out Records (Re-Release durch Thrashing Madness Productions), 1994 1. Alien 2. Cross of Stone 3. Extreme Reality 4. Flag of Shadow Master 5. Morbid Game 6. King of Darkness 7. Anthem of Vengeance 8. The Day After 9. Fight for Your World 10. Bestial Rites
Cover-Art:
Eins
vorab: Nein, es geht hier nicht um die schwedische Faschings-Rock-Band,
sondern die legendären Polen GHOST, die sich 1988 als Death/Thrash
Metal-Band gegründet haben und im Laufe ihrer Karriere immer brutaler
wurden, was schließlich nach vier Demos in diesem einzigen Album
gipfelte, das in der Original-Version auch schon mal für 500€ gehandelt
wird. Ihr bekommt hier brutalen US-Death Metal mit ultratiefen Vocals,
die mich an Killing Addiction, Rottrevore oder Infester erinnern,
während die messerscharfen Riffs auch aus der Feder von James Murphy
stammen könnten und somit nach Disincarnate oder Obituary anno 1990
tönen. Auch wenn die Thrash-Wurzeln der fünf Jungs aus Danzig immer mal
wieder durchschimmern, tut dies der Brutalität keinen Abbruch und man
darf sich über ein einzigartiges Death Metal-Meisterwerk freuen, das nur
so vor Abwechslungsreichtum sprüht und sich angenehm von anderen
polnischen Releases der 90er (die ja meist Morbid Angel nacheiferten)
abhebt. Das Ganze ist übrigens eingebettet in eine angenehme
Breitwand-Produktion (in der 2014er Version remastert!) und wie auch
schon bei den zuvor besprochenen Khromadeath ist es wirklich
verwunderlich, dass hier nicht größere Labels zugeschlagen haben.
Ich kann auf jeden Fall nur jedem Death Metal-Maniac das liebevoll
gestaltete 2014er Re-Release empfehlen, das tonnenweise Linernotes und
Interviews enthält, das bislang unveröffentlichte, nicht minder tolle
„Renown“-Promo-Demo von 1998 zum Bonus hat und zusätzlich auch noch um
ein paar Live-Tracks aufgestockt wurde. Absoluter Kauftipp! Eine
Vinyl-Variante soll übrigens eines Tages noch über „The Crypt“
erscheinen...
1. Sciomancy 2. Demonic Perversity 3. Stories of Pain 4. Divine Suffering 5. Inferno 6. Dawning Chill of Winter 7. Man's His Own God 8. Outro
Kanada war
seit jeher ein Garant für extreme Musik und so verhielt es sich bereits
1996, als das Quintett aus Montreal dieses einzige Lebenszeichen selbst
veröffentlichte. Geboten bekommen wir extrem brutalen, ultratight auf
den Punkt gespielten Death Metal, bei dem die herrliche Töcker-Snare von
der ersten Sekunde an alles in Grund und Boden blastet. Zusammen mit
anderen Quebec-Undergound-Brutalo-Death Metal-Bands wie z.B. Obscene
Crisis oder Necromortis dürfte das hier das Härteste sein, was damals
möglich war und selbst alte Cryptopsy oder Kataklysm können da imho
nicht gegen anstinken.
Stellt euch vor, man mischt Gorgasm mit alten Deeds Of Flesh und
Cannibal Corpse zu „Tomb of the Mutilated“-Zeiten und ihr wisst was euch
hier erwartet. Hier bleibt kein Stein auf dem anderen und jeder Schuss
ist ein Treffer, so dass jeder der es brutal und heftig mag, zufrieden
sein sollte. Das Schöne ist, dass man zu keiner Sekunde in grindige
Gefilde abdriftet, die Musik Struktur mit Wiedererkennungswert bietet
und auch technisch seiner Zeit weit voraus war. Ich habe wirklich selten
derart messerscharfe Riffs gehört! Die Jungs haben einfach ein echtes
Händchen für packende Grooves und ich bin mir sicher, dass es da in den
Moshpits nicht unblutig zugegangen sein muss. Der starke Gesang ist
übrigens ultratief und erinnert nicht selten an den jungen Chris Barnes.
Auch die Produktion kommt herrlich ausgewogen und trocken-brutal daher,
so dass es abgesehen vom etwas lieblosen Cover hier nichts zu meckern
gibt. 29 Minuten perfekt vertonte Brutalität, die nichts für Weicheier
ist!
Leider ultrarar und nur selten bei den einschlägigen Plattformen zu
finden. Hier ist von 20€-70€ mal wieder alles möglich und wundert euch
dann nicht über das gewellte Booklet, das ist aufgrund eines
Produktionsfehlers überall so.
1. Inscriptions
2. Taste the Dying
3. Falling Apart
4. At Rest
5. Instrumental (Lying In state)
6. Procession (of the Undertakers)
7. (Forever) Lying in State
Nach vier Demos und einer EP veröffentlichten die vier Briten 1993 ein
echtes Genre-Highlight, welches eines der ersten Releases von
Candlelight überhaupt darstellte.
Dieser vergessene Underground-Klassiker war jahrelang vergriffen und
nicht wenige dürfte sich ein Re-Release herbeigesehnt haben, was sich
in den letzten Jahren in dreistelligen Ebay-Preisen niedergeschlagen
hat. Im Sommer 2015 war es aber endlich soweit und Candlelight erbarmte
sich um dieses Kleinod neu zu veröffentlichen. Leider gibt es wie auch
schon beim Original nur eine karge Aufmachung und auch Linernotes werden
bitterlich vermisst. Dafür gibt es erstmalig auch das originale Cover
bei der CD-Version (dies war bislang nur der originalen Vinyl-Version
vorbehalten, da wohl im Presswerk etwas vertauscht wurde). Toll sieht
aber auch das nicht aus. Egal, was zählt ist schließlich die Musik und
die ist bei diesem Debüt schier großartig! Ich übertreibe wirklich
nicht, wenn ich sage, dass dies locker in die Top 10 der besten
britischen Death Metal-Releases ever gehört!
Geboten wird nämlich ausgefeilter und abwechslungsreicher Death Metal
mit starker Doom-Schlagseite, der an ganz frühe Paradise Lost,
Demo-Anathema oder Demo-My Dying Bride erinnert. Es gibt demzufolge
todtraurige Melodien, kraftvolle Growls, zähe Riffs aber auch rohes
Geballer, das an Impaler oder Benediction erinnert, präsentiert in einer
schön kräftigen, transparenten, typisch britischen Produktion.
Zusammen mit tollen, perfekt vorgetragenen Soli und sogar zwei
tiefsinnigen Instrumental-Stücken brennt sich dieses Meisterstück schon
beim ersten Durchlauf direkt ins Stammhirn! Besonders hervorzuheben ist
einfach der Abwechslungsreichtum der kompletten Scheibe. Bestes Beispiel
ist der Song „At Rest“ der mit messerscharfen Geshredder beginnt, dann
abrupt durch einen Paradise Lost-Gedächtnis-Doompart gebremst wird und
dann Benediction-mäßig drauflosgroovt bevor es richtig träge wird. Es
ist mir wirklich schleierhaft, warum den Jungs der Erfolg verwehrt
blieb, da hier einfach alles stimmt und man direkt merkt, dass hier
äußerst fähige Musiker am Werk waren. Doch hört einfach selbst. Jeder
der im Entferntesten etwas mit britischen Death Metal anfangen kann,
muss hier zugreifen! Wann können wir endlich mit einer Demo-Compilation
rechnen?
Label: Serious Entertainment (re-released via Ancient Darkness Productions)
Cover-Art: 1. Blood
2. Forever the Destiny
3. Universal Flood
4. On the Verge of Tears
5. Rise from Your Nest
6. Serpent
7. Hope Springs Eternal
8. The Surface Anger
9. Weakening Trip
10. Embraced by the Absolute
Diese fünf Jungs mit dem irreführenden Namen gelten als eine der ersten
Melo-Death Metal-Bands Dänemarks und veröffentlichten 1997 nach ihrem
großartigen '95er Demo klammheimlich ein formidables Debüt, das einen
derart eigenen Sound hat, wie ich ihn selten zuvor gehört habe. Das
Quintett schafft es nämlich eine obskure Mischung aus Suffocation,
Malevolent Creation, Iniquity und schwedischen Melo-Death Metal-Bands
wie z.B. alten In Flames, Dark Tanquillity oder At The Gates zu
kreieren, die noch mit dem Feeling alter alter Emperor garniert wird.
Was sich wie eine unmögliche Mischung liest, ist ein wahrer Ohrenschmaus
und tönt ausgesprochen originell und eingängig und ist die perfekte
Balance zwischen Brutalität und Melodie. Egal ob es nun die
messerscharfen Riffs, die großartigen Melodien, der brutale Gesang oder
die hämmernden Drums sind: Hier klingt alles wie aus einem Guss und
selten tönte ein Debüt ausgereifter. Auch die Ko-Produktion von Jacob
Hansen und Tue Madsen (übrigens seine erste Produktion überhaupt!) ist
herrlich authentisch und rundet das Ganze perfekt ab. Wäre da jetzt
nicht der unsägliche Name, das hässliche Cover und das irreführende
Christophe Szpajdel-Logo (ich hätte auf Black Metal getippt!), hätten
die Jungs bestimmt mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das hässliche
Photoshop-Cover stammt übrigens vom ehemaligen Panzerchrist-Sänger Lasse
Hoile (tollster Name ever!), der heutzutage eher als Regisseur für
Musikvideos oder die Cover für Porcupine Tree und Anathema bekannt ist.
Auf 'Embraced By The Absolute' folgte 1999 mit 'As Night Conquers Day' noch
ein extrem melodisches, cleaneres, zweites Album, das offensichtlich von
In Flames, At The Gates und Sins Of Omission beeinflusst war. Die
Brutalität der Frühwerke war fast gänzlich verschwunden und man merkte
der Band förmlich an, dass hier die Mitglieder nicht mehr an einem
Strang zogen. Und so zerbrachen AUTUMN LEAVES schlusssendlich daran,
dass eine Hälfte der Band mehr in die US-DM-Richtung ala
Suffocation/Malevolent Creation gehen wollte, während der andere Teil
sein Heil im Black Metal sah.
Wahrlich traurig, da hier wirklich Talent vorhanden war, das in den
Nachfolgebands The Arcane Order, Slugs oder Inbreeding Rednecks in der
Form nicht mehr zu hören war. Egal - was bleibt ist ein dänischer
Klassiker, der in einem Atemzug mit den großartigen Erstaufnahmen von
Illdisposed, Iniquity, Exmortem, Cinerator oder Dominus zu nennen ist
und zu den unterbewertetesten Death Metal-Aufnahmen Europas zählen
dürfte!
Die CD ist heutzutage saurar, erzielt aber keine Mondpreise, da sich der
Name AUTUMN LEAVES unverständlicherweise bis heute kaum herumgesprochen
hat.
Ich kann nur jedem wärmstens empfehlen sich das großartig aufgemachte
Doppel-Gatefold-Re-Release zu besorgen, bei dem ein geniales 24-seitiges
Fanzine mit allerhand Fotos und Liner-Notes beiliegt und das erste Demo
als Bonus-LP enthalten ist (limitiert auf 585 Stück). Pflichtkauf!
Label: Drowned Productions (re-released via Century Media) Cover-Art:
1. Sermon of Mockery 2. Resurrection 3. Abominat 4. The Uncreation 5. God 6. Demigod 7. Inhumanity 8. Liturgy of Impurity Eines der
besten Re-Releases des Jahres stammt mal wieder aus dem Hause Century
Media und beinhaltet das 1993er Debüt-Album der New Yorker Brutal Death
Metal-Legende PYREXIA. Dieses Pflichtalbum für Suffocation-Fans ist
schon seit Jahren vergriffen und ging die letzten Jahre bei Ebay gerne
auch schon mal für dreistellige Beträge über den Tresen, weswegen eine
Neuauflage längst überfällig war! Dem Reissue wurden u.a. noch das
legendäre “Liturgy Of Impurity“-Demo und die Tracks der nicht minder
genialen “Hatredanddisgust“-Mini-CD hinzugefügt und es gibt rare Fotos,
Flyer und ein leicht überarbeitetes Cover. Auf Vinyl wird das Ganze
übrigens als schickes Doppel-Vinyl im Gatefold präsentiert und hat noch
ein paar exklusive Live-Bonustracks, die ich persönlich aber eher für
verzichtbar halte. Wer mit dem Material der Band noch nicht vertraut
ist, dem sei gesagt, dass das Quintett seit jeher zur Speerspitze der
New Yorker Death Metal-Bewegung gehörte und mit Bands wie Internal
Bleeding und Suffocation den typisch Groove-orientierten Brutal Death
Metal mit erfand. Auch Freunde von Dehumanized, Skinless oder Broken
Hope sollten hier ein Ohr riskieren, aber ich bin mir sicher, das wissen
eh inzwischen die meisten ;) Die knapp 35 Minuten Spielzeit des Albums vergehen auf jeden Fall wie
im Flug und bei erdiger, leicht rumpeliger 90er-Jahre Produktion bekommt
man das Fressbrett, dank ordentlichem Geballer, fetten Grooves und
fiesen Growls ziemlich intensiv poliert.
Nach diesem Debüt entwickelte sich die Band übrigens in eine gänzlich
andere Richtung und vollzog 1997 einen ziemlich starken Kurswechsel,
indem man die Death Metal-Anteile stark zurückschraubte und sich
Groove-betonter gab und stellenweise gar an eine Death Metal-lastige
Variante von Soulfly erinnerte. Erst 2007 fand man mit dem
Comeback-Album „The Age Of The Wicked“ wieder zum Death Metal zurück und
ist seitdem präsenter denn je. Fakt ist: Bei „Sermon Of Mockery“
handelt es sich um ein Metal-historisch äußerst bedeutsames Meisterwerk
ohne das die heutige Brutal Death-Szene nicht dieselbe wäre. Wirklich
schön, dass sich das Teil endlich wieder jeder für kleines Geld ins
Regal stellen kann.
Label: Opus Dei's Licence Productions (Witchhunt Records)
1. Scrupulous Violation 2. Exhortation 3. Mass Mental Disorder 4. Imperial World 5. Nightmare of War 6. Merciless Pain 7. Creeping Crash 8. The Nation of Beauty
Cover-Art:
Ein formidables Stück des technischen Death Metals der amerikanischen
Schule präsentierten uns 1995 die fünf Schweizer EXHORTATION, die sich
nach einem eher rumpeligen Demo mit dem großen Vertriebspartner SPV im
Rücken sehr gereift einem größeren Publikum zeigen konnten. Und was
einem hier geboten wurde, ist wahrlich vorzeigbar, schließlich muss man
sich dank enormer technischer Finesse nicht hinter Releases von Bands
wie Pestilence, mittleren Death oder Morgoth verstecken. Es gibt
technisches, aber dennoch eingängiges Riffing, tiefe Growls und jede
Menge Geballer und es werden sozialkritische und nachdenkliche Texte
behandelt, die sich mit Umweltverschmutzung und der unabwendbaren
Selbstzerstörung der Menschheit beschäftigen. Melodische Soli wie in der
Band-Hymne „Exhortation“ werden auch immer mal wieder eingestreut, was
noch für ein zusätzliches Maß an Abwechslung sorgt. Auch die
Morrisound-ähnliche Produktion aus dem Züricher „The Dynamo Studio“
untermalt, welch schöne Alternative man hier zu den gängigen Größen
geboten bekommt. Leider kam das Teil nur fünf Jahre zu spät und so
verschwand auch dieses Album traurigerweise in der Versenkung des
Vergessens.
Es folgten noch zwei extrem rare Promos („Exhortation“ und „Promo '99“),
die mir leider unbekannt sind und ab 1999 musizierte die Band dann als
Ex-ortation weiter und beschritt dann eher technisch-thrashigere Pfade
mit Hardcore-Schlagseite. Unter diesem Namen veröffentlichte man zwei
Alben (eins sogar zuerst noch unter dem Namen „Exhortation“, hinterher
aufgrund des krassen Stilbruchs dann aber doch als „Ex-ortation“), ein
Demo und eine EP, die allerdings mit den EXHORTATION von 1995 nicht mehr
viel gemein hatten.
Das abwechslungsreiche Werk „The Last Trial“ kann man jedoch heutzutage
mit Glück für recht moderate Kurse zwischen 15€ und 30€ bei den üblichen
Verdächtigen erstehen. Einfach mal die Augen offen halten.
1. Spirit Era 2. Creep in Blood 3. Desire and Fright to Know 4. Ultimate Breath 5. Evil Ghost 6. Mystic Procession 7. Dead Surrounding You 8. Unworthy to Live 9. Shred of Flesh 10. Always Ghouls in Your Mind
Aus Nord-Frankreich stammt diese mysteriöse Band, über die heutzutage
nur wenig in Erfahrung zu bringen ist. Mir ist lediglich bekannt, dass
die Band 1988 gegründet wurde, 1992 am legendären „Obscurum per
Obscurius“-Split-Sampler (will den noch jemand los werden? ^^) beteiligt
war und dass dieses Debüt-Album über das berüchtigte, deutsche Label
Crypta Records 1994 (zwei Jahre nach den Aufnahmen!) in einer Auflage
von 500 Stück veröffentlicht wurde.
Das Teil dürfte neben Gorement und Chemical Breath wohl zu einer der am
meisten gesuchten Raritäten des zwielichtigen Labels gehören und ist
aufgrund der geringen Auflage und hohen musikalischen Qualität nur
selten irgendwo aufzustöbern (sowas Tolles verkauft ja auch keiner).
Aber wen kümmern Hintergrundinfos, wenn man derart lupenreinen Death
Metal geboten bekommt? Hier wird nämlich absolut erstklassig
drauflosgeholzt und gegroovt, dass jeder Fan von Massacre, Gorefest,
Benediction und vor allem Obituary mit den Ohren schlackern sollte. Ich
bin mir sicher, mit einem großen Label im Rücken wären diese Jungs ganz
groß geworden. Dank packenden Songwriting, megabösen Growls (so hätte
ich mir das immer bei Obi gewünscht!), messerscharfen Riffs und
abwechslungsreichen Drumming wird hier nämlich in der Königsklasse
geholzt und es ist wahrlich eine Schande, dass dieses Release in der
Flut der Veröffentlichungen unterging. Die Produktion ist auch schön
fett und somit wird bei diesem 38-minütigen Midtempo-Riff-Gewitter jeder
Schuss ein Treffer. Lediglich die Aufmachung des Ganzen ist etwas
dürftig und es gibt weder ein besonders ansprechendes Cover noch Lyrics
oder sonstige besondere Schmankerl. Aber egal, hier spricht schließlich
die Musik! Mit viel Glück kann man dieses Schmuckstück noch in der
Grabbelkiste eines unwissenden Händlers finden, ansonsten wird es teuer,
da gerne schon mal 150€ und mehr bei Ebay für ein Exemplar gezahlt
wird. Ich hatte letztes Jahr tatsächlich das unverschämte Glück dieses
Teil bei Ebay Kleinanzeigen für 8€ abzugreifen (danke nochmal für den
Tipp Kollege Phil, da haste noch einen gut!) und der Verkäufer hat sich
wohl auch gedacht, dass das ein super Geschäft war, da auf der CD-Hülle
tatsächlich ein Preisschild von 1,- DM (!!!) klebte ;)
Haltet auf jeden Fall mal die Augen auf, vielleicht habt ihr ja
ähnliches Glück, es lohnt sich. Nach dem Album folgten übrigens noch
zwei weitere Demo-Tapes und im Jahre 1996 verläuft sich dann die Spur
und man hörte nie wieder etwas von den Jungs. Man darf auf jeden Fall
hoffen, dass hier irgendwann einmal ein Diskpographie-Reissue folgt (The
Crypt oder Century Media wäre da meine Faves!), verdient hätte es diese
coole Band auf jeden Fall!
Eigentlich sollte heute ein neues Review kommen, aber als ich gesehen
habe, dass Spina Bifida das 100. Review war, musste ich zur Feier des
Tages doch mal eben alle bisher besprochenen Scheiben abfotografieren :D
Auf die nächsten 100!!! :)